Veröffentlichung des GHG Protocol Land Sector and Removals Standard: Was Unternehmen jetzt wissen müssen
Der neue GHG Protocol Land Sector and Removals Standard erweitert die bestehenden Standards um die bisher schwer zu erfassenden Bereiche der Landnutzung und CO₂-Entnahme. Für Unternehmen, die in landwirtschaftlichen oder anderen landnutzungsintensiven Sektoren tätig sind, bringt dieser Standard sowohl neue Möglichkeiten als auch Herausforderungen mit sich.
Der Standard adressiert eine zentrale Lücke in der bisherigen Treibhausgasbilanzierung: die systematische Erfassung von Emissionen und Entnahmen aus Landnutzung, Landnutzungsänderungen und zukünftig auch Forstwirtschaft (LULUCF). Dies ist besonders relevant, da natürliche Kohlenstoffspeicher eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen.
Anwendungsbereich des Land Sector and Removals Standard
- Landwirtschaftsunternehmen und Lebensmittelproduzenten
- Verarbeiter und Händler: Unternehmen, die große Mengen an Lebensmitteln, Fasern, Futtermitteln, Bioenergie oder anderen landwirtschaftlichen Produkten einkaufen, verarbeiten oder verkaufen
- Zulieferer: Unternehmen, die signifikante Mengen an Produkten (z. B. Düngemittel oder Saatgut) an landwirtschaftliche Erzeuger liefern
Die vorliegende Version 1.0 des Standards gilt für die Landwirtschaft und CO2-Entnahmetechnologien, jedoch ausdrücklich noch nicht für die Forstwirtschaft oder forstwirtschaftliche Produktwertschöpfungsketten. Anforderungen hierzu sind für zukünftige Versionen geplant.
Neue Rechnungslegungsgrundsätze
- Konservativität: Bei hoher Unsicherheit müssen Annahmen getroffen werden, die Emissionen eher über- und Entnahmen eher unterschätzen.
- Permanenz: Unternehmen müssen sicherstellen und überwachen, dass gespeichertes CO2 dauerhaft der Atmosphäre entzogen bleibt und etwaige Freisetzungen (Reversals) melden
Bilanzierungsanforderungen beim Land Sector and Removals Standard
Grundlegende Anforderungen für alle Landsektor-Unternehmen:
- Landnutzungsänderungs-Emissionen: Erfassung von Emissionen durch Umwandlung von Landflächen (z.B. Entwaldung)
- Netto biogene CO₂-Emissionen: Berücksichtigung des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs (u. a. CO₂-Emissionen aus der Bodendegradation auf Ackerflächen)
- Landbewirtschaftung: Bilanzierung von Emissionen aus der laufenden Landbewirtschaftung (z. B. Dünger)
- Biogene Emissionen: Emissionen aus der Verbrennung von Bioenergie
Erweiterte Anforderungen:
Unternehmen, die aktiv CO₂-Entnahmen durchführen oder darüber berichten möchten, müssen zusätzliche Anforderungen befolgen, die spezifische Methoden zur Quantifizierung und Verifizierung von Kohlenstoffsenken beschreiben.
Removals/CO₂-Entnahme
Natürliche CO₂-Entnahmen:
- Aufforstung und Wiederaufforstung: Kohlenstoffspeicherung in wachsenden Wäldern
- Bodenkohlenstoff: Aufbau organischer Substanz in landwirtschaftlichen Böden
- Feuchtgebietsrestaurierung: Wiederherstellung natürlicher Kohlenstoffsenken
Technologische Ansätze:
- Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung (BECCS)
- Direkte CO₂-Abscheidung aus der Luft mit Speicherung
Der Standard betont die Bedeutung der Permanenz und Nachverfolgbarkeit von CO₂-Entnahmen und fordert robuste Überwachungs- und Verifizierungssysteme.
Unternehmen müssen nachweisen, dass entnahmebasierte Klimaschutzmaßnahmen langfristig wirksam sind und nicht durch spätere Emissionen zunichtegemacht werden. Wichtig: Das Reporting von Removals ist optional.
Die offenen Punkte bei GHG Land Sector and Removals
Ausgeschlossene Bereiche:
Besondere Risiken:
Landwirtschaftliche Verlagerungseffekte (Carbon-Leakage) erfordern separate Berichterstattung bei Unternehmen mit hohem Verlagerungsrisiko.
Implementierungsunterstützung:
Ab Q2 2026 werden Umsetzungsleitfäden und Schulungen zur Verfügung gestellt. Methodische Unsicherheiten bei Messgenauigkeit, zeitlichen Verzögerungen und Datenverfügbarkeit erschweren die praktische Umsetzung.
Fazit und nächste Schritte
Kritische Punkte sind ausgeschlossene Forstwirtschaftsbereiche, Verlagerungsrisiken und die schwierige Quantifizierung von CO₂-Entnahmen. Unternehmen benötigen zusätzliche Expertise und erhebliche Investitionen in Datenerhebung.
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