CSRD-Reporting wird entschlackt: EFRAG legt erste Vereinfachungen vor

21.07.2025
CSRD-Vereinfachung nimmt Fahrt auf: EFRAG überarbeitet ESRS, EU-Kommission erlässt Quick Fix für weniger Pflichten, mehr Lesbarkeit. Was Quick Fix, Phase-in-Erleichterung und Datenpunkt-Streichung für Unternehmen bedeuten. 

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD wird entschlackt. Mit dem Omnibus-Paket hatte die EU-Kommission EFRAG beauftragt, die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) grundlegend zu vereinfachen. Jetzt liegen erste konkrete Ergebnisse auf dem Tisch.

EFRAG zur ESRS-Vereinfachung

Im Progress Report vom 20. Juni 2025 identifiziert die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) sechs Maßnahmen zur Vereinfachung der ESRS. Sie sollen Anforderungen praxisnäher gestalten, indem sie beispielsweise die doppelte Wesentlichkeit verschlanken, die Lesbarkeit der Standards erhöhen, die Interoperabilität mit anderen Standards verbessern und die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte reduzieren. 

Die EFRAG reagiert damit auf erste Praxiserfahrungen, insbesondere Rückmeldungen von Unternehmen der ersten Berichtswelle, die den bisherigen Aufwand als unnötig komplex empfanden. 

ESRS-Arbeitsentwürfe für May and Shall

Wie das konkret aussehen kann, zeigten die Arbeitsentwürfe für ESRS 1 und 2, die EFRAG am 10. Juli 2025 veröffentlichte.  

  • Wichtiger Punkt darin: Alle 277 sogenannte „May“-Angaben – also freiwillige Angaben – sollen gestrichen (oder in eigene, unverbindliche Leitfäden ausgelagert) werden.  
  • Auch die über 780 verpflichtenden Offenlegungspflichten („Shall“) sollen mindestens halbiert, wenn nicht gar um über 60% reduziert werden.  
  • Zudem werden die bislang oft unübersichtlichen Application Requirements direkt den zugehörigen Offenlegungen zugeordnet. 
  • Inhalte ohne verbindlichen Charakter wandern in ein eigenes Guidance-Dokument.  

 

Unterm Strich würde der Umfang der Berichtspflichten um rund zwei Drittel reduziert – ein echter Schritt in Richtung Entlastung.

CSRD-Quickfix für Wave 1

Parallel dazu hat die EU-Kommission am 11. Juli 2025 einen Quick Fix beschlossen, der vor allem Unternehmen der ersten CSRD-Welle betrifft. Sie müssen 2025 und 2026 nicht über das hinaus berichten, was sie 2024 bereits offengelegt haben, erhalten also eine Art Berichtsstillstand auf Zeit. 

Gleichzeitig gelten ab sofort auch für große Unternehmen die Phase-in-Erleichterungen, die bislang nur für KMU vorgesehen waren. Übergangsfristen für komplexe Themen wie Biodiversität, Arbeitnehmende in der Lieferkette oder betroffene Konsument:innen wurden bis 2027 verlängert. 

Bis dahin reicht eine Basisberichterstattung nach ESRS 2.17. Eine echte Entlastung in der Übergangsphase und mehr Zeit, sich auf die kommenden vereinfachten Standards einzustellen. 

Was bedeutet das für die Unternehmen?

Nach Jahren einer stets wachsenden Regulierungsdichte sehen wir hier erstmals einen Kurswechsel: Die EU-Kommission reduziert bewusst die Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung, ohne das eigentliche Ziel – mehr Transparenz bei ESG-Risiken – prinzipiell infrage zu stellen, auch wenn über manche Details sicher diskutiert werden könnte. 

SAIM rät: 

  • Passen Sie die Berichtsplanung für 2025 und 2026 an die neuen Phase-In-Erleichterungen an. 
  • Bleiben Sie am Ball: Die final überarbeiteten ESRS-Standards sollen Ende 2025 verfügbar und ab 2026 verbindlich sein.  
  • Bleiben Sie weiter aktiv: Umfangreiche Kernbestandteile der Regulatorik (etwa die Durchführung einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse oder die Erstellung einer Klimabilanz) kommen weiterhin auf Sie zu. Und für Ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit & Resilienz muss das alles ohnehin passieren. 
  • Sammeln Sie in der Übergangszeit  schon freiwillig – im reduzierten oder kompletten Umfang – Daten und Informationen nach CSRD und berichten sie. 
  • Nutzen Sie die neu gewonnene Zeit, um ihr zukünftiges Datenmanagement aufzubauen. 

 

Lassen Sie sich von der aktuellen Unsicherheit nicht bremsen – investieren Sie in aussagekräftige Projekte und stellen Sie sicher, dass Ihre Nachhaltigkeitskommunikation verständlich und inspirierend ist.  Wir unterstützen Sie gern und stehen für Fragen jederzeit zur Verfügung.  

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