Freiwillige Nachhaltigkeitsstandards im Fokus: EFRAG startet Dialog zur Zukunft des VSME

09.04.2026
Nachdem sich der Kreis berichtspflichtiger Unternehmen durch regulatorische Anpassungen zuletzt verkleinert hat, rückt nun die freiwillige Anwendung von Standards stärker in den Fokus. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat Ende März 2026 einen Aufruf zur Interessenbekundung gestartet, um die künftige Anwendung freiwilliger Nachhaltigkeitsstandards durch Unternehmen außerhalb der CSRD-Pflicht besser zu verstehen.

Im Zentrum steht dabei ein neuer freiwilliger Standard (VS), der sich an Unternehmen richtet, die nicht unter die Berichtspflichten der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fallen. Damit werden insbesondere Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden oder einem Jahresumsatz von unter 450 Millionen Euro von der EFRAG adressiert. Neben den Unternehmen selbst sind auch Wirtschaftsprüfer: innen, Investoren, Kreditgeber und weitere Nutzer von Nachhaltigkeitsinformationen eingeladen, sich an dem Prozess zu beteiligen.

Vom VSME zum freiwilligen Standard für den breiteren Mittelstand

Der geplante freiwillige Standard baut auf dem bereits etablierten Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME) auf, den die EFRAG im Dezember 2024 veröffentlicht hat. Dieser wurde im Juli 2025 von der Europäischen Kommission offiziell empfohlen und richtet sich insbesondere an nicht börsennotierte kleine und Kleinst-Unternehmen.

Der VSME verfolgt das Ziel, Nachhaltigkeitsberichterstattung zugänglicher und praktikabler zu machen. Er soll Unternehmen dabei unterstützen, verlässliche ESG-Daten bereitzustellen, etwa für Geschäftspartner, Banken oder Investoren, und gleichzeitig die interne Steuerung von Nachhaltigkeitsthemen zu verbessern. Darüber hinaus kann er den Zugang zu Finanzierung erleichtern und die Integration von KMU in eine nachhaltigere Wirtschaft fördern.

Inhaltlich orientiert sich der VSME an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und deckt die zentralen ESG-Themen ab, ist jedoch deutlich stärker auf die Ressourcen und Bedürfnisse kleinerer Unternehmen zugeschnitten. Der Standard ist freiwillig angelegt und bewusst einfach gehalten, um eine breite Anwendung zu ermöglichen.

Neue Dynamik durch veränderte Regulierung

Ein wesentlicher Treiber für die aktuelle Entwicklung ist das sogenannte Omnibus-I-Paket, das die Zahl der verpflichtend berichtenden Unternehmen deutlich reduziert hat. Für viele Unternehmen entsteht dadurch ein Spannungsfeld: Einerseits entfällt die regulatorische Pflicht, andererseits bleiben Anforderungen von Marktakteuren bestehen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die freiwillige Berichterstattung an Bedeutung. Der geplante VS soll hier eine strukturierte Grundlage für größere Unternehmen bieten und gleichzeitig an bestehende Standards anschlussfähig bleiben. Die Europäische Kommission plant, den Standard noch im Laufe des Jahres 2026 als delegierten Rechtsakt zu verabschieden.

EFRAG setzt auf Praxiseinblicke

Mit dem aktuellen Aufruf zielt EFRAG darauf ab, frühzeitig Einblicke in die praktische Anwendung freiwilliger Nachhaltigkeitsberichterstattung zu gewinnen. Geplant sind unter anderem Webinare, Umfragen, Veranstaltungen und Interviews. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Unternehmen Nachhaltigkeitsinformationen erfassen, nutzen und weiterentwickeln – und welche Rolle ein freiwilliger Standard dabei spielen kann.

Während EFRAG bereits im engen Austausch mit kleinen und mittleren Unternehmen steht, soll der Dialog nun gezielt auf größere, nach dem Omnibus nicht mehr berichtspflichtige Unternehmen ausgeweitet werden. Die Teilnahme an der Initiative ist bis zum 20. April 2026 möglich.

„Der Dialog, den die EFRAG hier anstößt, ist grundsätzlich der richtige Schritt. Entscheidend wird sein, ob der Standard am Ende den Anforderungen standhält, mit denen Unternehmen in der Praxis konfrontiert sind. Denn freiwillig bedeutet nicht folgenlos: Wer keine verlässlichen ESG-Daten liefert, verliert Vertrauen bei Finanzierungspartnern, Investoren und Geschäftspartnern. Wir begleiten diesen Prozess aufmerksam und bringen die Perspektive unserer Kunden ein.“
Lotte Schmidt – Director Sustainability Consulting
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