Klima-Szenarioanalyse: Unsicherheit planbar machen
Klima-Szenarioanalyse: ein Leitfaden für Unternehmen
Dieser Beitrag gibt einen praxisnahen Überblick über die Klima-Szenarioanalyse, ihre Typen, Methoden und strategische Einbettung.
Beachten Sie bitte auch:
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Was ist eine Szenarioanalyse?
So hilft Ihnen die Szenarioanalyse, potenzielle Risiken und Chancen systematisch zu durchleuchten und Ihre strategischen Entscheidungen auf ein solides Fundament zu stellen. Die Szenarien spannen dabei bewusst einen weiten Bogen – von der geordneten Umsetzung weltweiter Klimaziele bis hin zu kritischen geopolitischen Entwicklungen. Auf diese Weise bekommen Sie ein Gefühl für die ganze Bandbreite möglicher Zukünfte.
Die Klima-Szenarioanalyse fokussiert sich speziell auf klimabezogene Entwicklungen. Sie hilft Unternehmen, die Auswirkungen des Klimawandels auf Geschäftsmodelle, Lieferketten und Investitionen zu bewerten und strategische Anpassungen vorzunehmen.
Warum ist die Szenarioanalyse wichtig?
Die Szenarioanalyse bietet Ihnen dabei wichtige Vorteile:
- Risikobewertung: Sie erkennen frühzeitig, welche physischen und transitorischen Risiken auf Sie zukommen könnten – etwa durch Extremwetterereignisse oder regulatorische Veränderungen.
- Chancenidentifikation: Sie entdecken neue Geschäftsfelder, die sich durch innovative Technologien, Märkte oder gesellschaftliche Trends eröffnen.
- Strategische Weitsicht: Sie können testen, wie hoch die Widerstandsfähigkeit (Resilienz) Ihres Unternehmens gegen verschiedene Entwicklungen ist und daraus Maßnahmen ableiten.
Typen von Szenarien
- Übergangsszenarien (transitorische Risiken): Diese Szenarien betrachten den Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft, etwa durch COc-Bepreisung oder technologische Innovationen.
- Physische Szenarien (physische Risiken): Hier stehen die klimatischen Folgen bei unzureichenden Klimaschutzmaßnahmen im Fokus, etwa Extremwetterereignisse oder langfristige Veränderungen wie der Anstieg des Meeresspiegels.
Physische Klimaszenarien
Anhand der angenommenen globalen Temperaturerhöhung bis zum Ende des Jahrhunderts lassen sich physische Klimaszenarien gut einordnen und vergleichen. Für die IPCC-Szenarien reicht diese von 1,5°C im (mittlerweile sehr unrealistischen) RCP 1.9, bis zu alarmierenden 4°C im RCP 8.5.
Transitorische Klimaszenarien
Sie beschreiben, wie sich Emissionen in der Zukunft entwickeln und welche Maßnahmen zur Minderung oder Anpassung an den Klimawandel ergriffen werden.
Beispiele sind die Szenarien der Internationalen Energieagentur (IEA), die von sehr ambitionierten Verläufen mit Einhaltung des 1.5°C-Ziels („Net Zero by 2050″-Szenario) bis zur Fortschreibung der aktuellen Politik im „Stated Policies“-Szenario (mit Erwärmungen von über 2,5°C) eine große Bandbreite abdecken.
Auch das IPCC hat zusätzlich zu den physischen RCP-Szenarios die Shared Socioeconomic Pathways (SSPs) erstellt – gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungswege, die beeinflussen, wie Emissionen entstehen und welche Anpassungsmöglichkeiten bestehen.
Gemeinsam ermöglichen RCPs und SSPs eine umfassende Analyse zukünftiger Klimaszenarien, indem sie sowohl physische als auch sozioökonomische Faktoren berücksichtigen
Vorgehensweise bei der Szenarioanalyse
- Definition des Analyseziels: Welche Fragen sollen beantwortet werden? Geht es um Klimarisiken, Marktentwicklungen oder strategische Weichenstellungen?
- Auswahl relevanter Szenarien: Mindestens zwei kontrastierende Szenarien werden erarbeitet, beispielsweise bezüglich transitorischer Aspekte ein hoch- und ein wenig ambitioniertes Szenario zum weltweiten Klimaschutz.
- Datenanalyse und Modellierung: Mithilfe verfügbarer Klimaszenarien und eigener Prognosen und Erkenntnisse werden die möglichen Entwicklungen qualitativ beschrieben und optional die wichtigsten Parameter quantifiziert.
- Interpretation und Maßnahmenplanung: Die Auswirkungen auf das Unternehmen werden bewertet. Die Ergebnisse fließen in strategische Entscheidungen und operative Maßnahmen ein, um Risiken zu minimieren und Chancen zu nutzen.
Beispiele für Szenarioanalysen
- Szenario „moderate Erwärmung“: Veränderte Anbaubedingungen und einzelne Extremereignisse wirken sich graduell auf Erträge, Qualität und Preise aus.
- Szenario „starke Erwärmung“: Hohe Risiken durch extreme Wetterereignisse wie Dürren oder Hitzewellen bis hin zum Komplettausfall einiger Anbaugebiete; extreme Preisspitzen möglich.
- Ableitbare Maßnahmen: Der Hersteller kann seine Lieferketten diversifizieren, Produktionsprozesse anpassen und in nachhaltige Anbaumethoden investieren.
Energiewirtschaft im Wandel: Ein Unternehmen mit hohem Energieverbrauch könnte eine Szenarioanalyse nutzen, um potenzielle Auswirkungen von Energiepreisentwicklungen oder regulatorischen Änderungen zu untersuchen.
- Szenario „Langsamer Übergang“: Energieeffizienz-Maßnahmen lohnen sich eher langfristig; wirtschaftlich betrachtet könnten fossile Anlagen bis zum Ende der Lebensdauer weiterlaufen.
- Szenario „Ambitionierter Übergang“: Hohe CO2-Abgaben machen fossile Energie um 30% teurer. Kunden verlangen nach klimafreundlichen Produkten, um eigene Ziele zu erreichen. Hohe Nachfrage nach Grünstrom macht eigene Erzeugung attraktiv.
- Ableitbare Maßnahmen: Investitionen in eigene Erzeugung und Speichertechnologien prüfen, energieeffiziente Prozesse entwickeln, Einführung interner CO2-Preise zur Vorbereitung.
Szenarioanalyse und CSRD
Die Szenarioanalyse ist ein zentrales Instrument für Unternehmen, die im Zuge von Klimawandel und regulatorischen Anforderungen nachhaltig erfolgreich bleiben wollen. Sie ermöglicht es, sich auf verschiedene Zukunftspfade vorzubereiten, Risiken zu reduzieren und Chancen zu ergreifen. Gerade in Zeiten erhöhter politischer Unsicherheit gewinnt die vorausschauende Planung durch Szenarien an Bedeutung – als Grundlage für eine glaubwürdige, belastbare und zukunftsorientierte Nachhaltigkeits- und Klimastrategie.
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