ESG-Reporting: Bertelsmann Studie belegt den unterschätzten Wert von Nachhaltigkeitsberichten

26.02.2026
Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist an einem Scheideweg. Während die öffentliche Debatte von Aufwand, Kosten und Komplexität dominiert wird, gerät der eigentliche Kern aus dem Blick: der strategische Nutzen. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung aus dem November 2025 zeigt eindrücklich, dass der dieser nicht ausschließlich im fertigen Bericht liegt, sondern vor allem im zugrunde liegenden Reporting-Prozess in Unternehmen. Daher bleiben die betriebswirtschaftlichen Potenziale des Reportings häufig unsichtbar – dabei sind sie beträchtlich.

Die Studie macht deutlich, dass ESG-Reporting weit über das reine Endprodukt hinausgeht. Es fördert organisatorische Veränderungen, systematisiert Datenerhebung und ermöglicht Unternehmen, Entscheidungen datenbasiert zu treffen. Dadurch werden Strategien klarer, Investitionen besser begründbar und, in einzelnen Fällen, öffnet sich sogar der Zugang zu Aufträgen oder Kapital.

Wirkmechanik und betriebswirtschaftliche Effekte

Die Studie illustriert die Wirkung von der ESG-Berichterstattung in einer sogenannten Wirkmechanik-Grafik: Externe Impulse werden über interne Prozesse zu messbaren Ergebnissen wie Effizienzsteigerungen, Risikotransparenz oder Umsatzimpulsen. Die qualitativen Interviews der Studie zeigen vor allem in folgenden Bereichen direkte Effekte:

  • Effizienzsteigerungen: Energie- und Ressourceneffizienzpotenziale werden aufgedeckt, Datensilos konsolidiert, ineffiziente Maschinenläufe oder teure Altverträge identifiziert.
  • Erweiterte strategische Steuerung: Unternehmen legen klare Ziele, KPIs und Verantwortlichkeiten fest, fokussieren auf wirkungsstarke Themen.
  • Besseres Risikomanagement: Umwelt- und Sozialrisiken werden systematisch erfasst; Governance-Strukturen stärken die Krisenfestigkeit.
  • Zugang zu Kunden: Für viele Unternehmen wird Reporting zur „Eintrittskarte“ für Ausschreibungen.
  • Zugang zu Kapital: Banken und Investoren fordern zunehmend ESG-Daten.
  • Arbeitgeberattraktivität: Interne Zusammenarbeit und Austausch steigen; Recruiting und Bindung profitieren von einer klaren Nachhaltigkeitspositionierung.

 

Darüber hinaus liefert die Studie auch eine Cost/Benefit-Analyse der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und des Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs (VSME), die Unternehmen bei der strategischen Bewertung der Berichterstattungsstandards unterstützt.

 

ESG-Reporting als strategischer Hebel

Die Untersuchung macht klar: Wer Nachhaltigkeitsberichterstattung lediglich als Abgabepflicht versteht, schöpft ihr Potenzial nicht aus. Erfolgreiche Unternehmen begreifen Reporting als strategisches Instrument und binden es frühzeitig in Governance, Strategie und Planung ein. Die Studie empfiehlt dafür vier zentrale Handlungsschritte:

  1. Kosten und Nutzen systematisch bewerten: Wo werden bereits Effekte sichtbar, wo schlummert ungenutztes Potenzial?
  2. Reporting als Management-Instrument einsetzen: Prozesse frühzeitig in Unternehmensstrategie und Governance integrieren.
  3. Digitale Werkzeuge und Leitfäden nutzen: Zum Beispiel den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) für konsistente und effiziente Datenarbeit.
  4. Daten aktiv weiterverwenden: Informationen sollten nicht in der Schublade bleiben, sondern in Strategie, Entscheidungen und Stakeholderkommunikation einfließen.

Fazit

Nachhaltigkeitsreporting ist also weit mehr als eine lästige Pflicht – es ist ein strategisches Management-Instrument. Der entscheidende Wert liegt nicht (nur) im fertigen Bericht, sondern im Prozess selbst. Dieser deckt Effizienzpotenziale auf, schärft das Risikobewusstsein und verbessert den Zugang zu Kapital und neuen Märkten. Wer seinen Nachhaltigkeitsbericht als reinen Kostenfaktor betrachtet, vergibt die Chance, aus Daten fundierte Entscheidungen abzuleiten und echten, messbaren Unternehmenswert zu schaffen.
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