ESG (Environmental, Social and Governance)

14.03.2024

Die drei Säulen Environmental, Social, and Governance (ESG) bilden einen zunehmend wichtigen Rahmen für die Bewertung der Auswirkungen eines Unternehmens in den drei Dimensionen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Die Abkürzung ESG steht laut Definition für Environmental, Social und Governance (zu Deutsch etwa: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Sie beinhaltet die Bewertung von Unternehmen auf Basis zahlreicher Kriterien in den Dimensionen E, S und G, wichtig zum Beispiel für das ESG-Reporting.

Lesen Sie dazu auch: ESG-Reporting: das müssen Sie wissen.

ESG-Kriterien zur Umwelt (E wie Environmental):

In dieser Dimension werden Unternehmen danach bewertet, welche Wirkung sie auf die Umwelt haben und wie sie damit umgehen.

Beispiele für ESG-Environmental-Kriterien:

  • Energiemanagement, Nutzung von Erneuerbaren Energien
  • Ressourcenverbrauch, Reduktion, Kreislaufstrukturen
  • Auswirkungen auf Wasser und Luft
  • direkte Auswirkungen auf Biodiversität (etwa durch Entwaldung)
  • Strategien zu Treibhausgasemissionen (THG) und Klimawandel
  • Reduktionsziele, Ziele zum Schutz von Artenvielfalt

In der E-Dimension geht es vor allem um den ökologischen Fußabdruck und was ein Unternehmen tut, um diesen zu verkleinern. Environmental lässt sich meist quantitativ bewerten, zumal erprobte Umweltmanagementsysteme wie ISO 14001 oder EMAS zur Verfügung stehen. Bei konsequenter Umsetzung lassen sich hier also leicht Verbesserungen erzielen.

ESG-Kriterien zu Sozialem (S wie Social)

Dieser Aspekt bezieht sich auf die Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Mitarbeiter:innen, Lieferant:innen, Kund:innen und der Gemeinschaft, in der es tätig ist (worin er ein bisschen CSR ähnelt).

Beispiele für ESG-Social-Kriterien:

  • Arbeitnehmer:innen-Rechte, Menschenrechte, Datenschutz
  • Umgang mit Mitarbeiter:innen (Fairness, Fortbildung…)
  • Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter
  • Gleichstellung und demografische Diversity
  • Ernährungssicherheit
  • Kinderarbeit, Verbot von Zwangsarbeit
  • Support lokaler sozialer, kultureller, gesellschaftlicher Projekte

In der S-Dimension von ESG geht als also um den Umgang mit der eigenen Belegschaft und um faire Arbeitsbedingungen. Diese Dimension ist scheinbar etwas schwieriger zu bewerten, anderseits gibt es auch hier etablierte Richtlinien wie ISO 26000 oder die ILO-Kernarbeitsnormen.

Unternehmensführung (G wie Governance)

Hier geht es vor allem um die Steuerungs- und Kontroll-Prozesse im Unternehmen und inwieweit diese in der Lage sind, die ökonomische Nachhaltigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Auch juristische Aspekte gehören dazu.

Beispiele für ESG-Governance-Kriterien:

  • klare Unternehmenswerte und Richtlinien
  • Aufsichtsstrukturen und klare Steuerungsprozesse
  • Diversität in Führungsebenen
  • offene Kommunikation und Transparenz
  • Vergütungsrichtlinien und Gehaltsgefälle
  • Risikomanagement und Reputation
  • Regelwerke und Gesetze (Compliance)
  • Bekämpfung von Korruption und Betrug
  • Umgang mit Steuerfragen

In der G-Dimension von ESG geht es also um verantwortungsvolle Unternehmensführung insofern, als sie die eigentliche Unternehmensarbeit nicht durch unfaire, unlautere, betrügerische Methoden schädigen darf. Hier bieten zum Beispiel der Deutsche Corporate Governance Kodex oder die OECD-Grundsätze der Corporate Governance sinnvolle Orientierung.

Warum ist ESG wichtig?

  • Unternehmen: Durch die Umsetzung von ESG-Prinzipien können Unternehmen ihre Reputation verbessern (bzw. Reputationsrisiken minimieren), Innovationen fördern und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Sie können Risiken (etwa Produktionsausfälle oder Lieferkettenprobleme) leichter erkennen, die durch Umweltkatastrophen oder soziale Unruhen entstehen könnten, und sie, sofern sie selbst potenzielle Verursacher sind, auch vermeiden. Sie haben besseren Zugang zu Kapital, was ihre Investitionsmöglichkeiten erhöht.
  • Finanzinstitute: Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister nutzen ESG-Merkmale zur Risikobewertung ihrer Portfolios und zur Entwicklung nachhaltiger Finanzprodukte und -dienstleistungen.
  • Investor:innen: ESG-Faktoren bieten eine umfassende Perspektive auf potenzielle Risiken und Chancen, die traditionelle Finanzanalysen in der Regel nicht abdecken. Dies hilft Investor:innen, informierte Entscheidungen zu treffen.
  • Lieferanten und Geschäftspartner: Die Ausrichtung an ESG-Kriterien fördert nachhaltige Lieferkettenpraktiken, die zu stabileren und ethischeren Geschäftsbeziehungen führen sollen. Das leistet zudem Vorarbeit für das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.
  • Kund:innen: Verbraucher:innen neigen zunehmend dazu, Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen zu bevorzugen, die sich für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und ethische Geschäftspraktiken einsetzen.
  • Mitarbeitende: Die Einhaltung von ESG-Kriterien fördert faire Arbeitsbedingungen, Diversität und Inklusion sowie Mitarbeiterengagement und -zufriedenheit. Dies führt zu höherer Produktivität, geringerer Fluktuation und hilft, neue, engagierte Talente zu gewinnen.

In der Theorie tragen ESG-Kriterien zu einer nachhaltigeren und gerechteren Welt bei. Weil sie Unternehmen dazu anregen, ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren, einen positiven sozialen Beitrag zu leisten und ethisch zu handeln. In der Praxis haben sie sich jedoch als zu schwach erwiesen, um dies zu erreichen.

Wie wird ESG gemessen?

Es gibt mehrere Standards und Rahmenwerke, die Unternehmen dabei unterstützen, ihre ESG-Performance zu messen und zu berichten. Beispielhaft seien genannt:

  • Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) der EU sollen Unternehmen bei der Berichterstattung über ihre wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen unterstützen. Sie wollen Transparenz und Vergleichbarkeit der ESG-Berichterstattung zu verbessern und sind für viele EU-Mitgliedstaaten und Unternehmen verbindlich.
  • Die Global Reporting Initiative (GRI) ist einer der ältesten und am weitesten verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen. Die GRI sind global das, was die ESRS für die EU ist.
  • Die Sustainability Accounting Standards Board (SASB) legen branchenspezifisch die relevantesten Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen fest, die für Investoren und andere Stakeholder von vor allem finanzieller Bedeutung sind.
  • Die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) konzentriert sich auf die Berichterstattung von klimabezogenen finanziellen Informationen und kann helfen, Risiken und Chancen, die der Klimawandel für Geschäftsmodelle darstellt, transparent zu machen und zu kommunizieren.
  • Das Umwelt-Ranking CDP (vormals Carbon Disclosure Project) unterstützt Unternehmen, Städte, Staaten und Regionen dabei, ihre Umweltauswirkungen vor allem bei Treibhausgasemissionen, Wassermanagement und Entwaldung zu messen und zu veröffentlichen. CDP bewertet die Umweltleistung nach einem Kriterienkatalog und vergibt anschließend die Noten A bis D-.

Gibt es Kritik an den ESG-Kriterien?

Die Environmental-Social-and-Governance-Kriterien sind inzwischen sehr verbreitet – und sie ziehen auch einiges an Kritik auf sich, weil die Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung bei Environmental, Social and Governance nicht besonders stark reglementiert und standardisiert ist und daher die Gefahr von Greenwashing besteht. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass ein und dasselbe Unternehmen über verschiedene Nachhaltigkeitsratings hinweg sehr unterschiedlich abschneiden kann (Beispiel).

Noch reichen teilweise nur Absichtserklärungen (etwa das Auflegen eines Programms für mehr Gleichstellung im Unternehmen), ohne dass deswegen schon eine nachweislich echte Verbesserung stattfinden muss. Unternehmen können außerdem ESG-problematische Bereiche auslagern und so im Rating verschwinden lassen.

Für viele Branchenteilnehmer reicht daher die Einhaltung von ESG-Kriterien nicht aus, um wirklich zu belegen, ob ein Unternehmen nachhaltig arbeitet. Die neue EU-Berichtspflicht nach Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) wird durch starken Fokus auf quantitative Daten und Maschinenlesbarkeit eine bessere Vergleichbarkeit von Unternehmen untereinander und eines einzelnen Unternehmens über einen zeitlichen Verlauf ermöglichen.

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