SBTi veröffentlicht zweiten Entwurf des Corporate Net-Zero Standard V2

17.11.2025
Die Science Based Targets initiative (SBTi) hat am 6. November 2025 den überarbeiteten zweiten Entwurf ihres Corporate Net-Zero Standard V2 zur öffentlichen Konsultation veröffentlicht. Die neuen Leitlinien zeigen eine klare Verlagerung des Schwerpunkts vom Erreichen eines Ziels hin zu einem echten Wandel und Transparenz. 

Was ist neu?

Der neue Corporate Net-Zero Standard V2 unterscheidet sich stark von seinem ursprünglichen Vorgänger. Das gesamte Ziel des Standards hat eine neue Form angenommen, um praktischer und für eine realistische Umsetzung geeigneter zu werden.

Während der Anspruch weitgehend derselbe bleibt, sind die Zielvorgaben flexibler geworden, um sie für Unternehmen erreichbarer und handhabbarer zu machen. Es ist außerdem klar, dass die kommenden CSRD Anforderungen den Standard stark beeinflusst haben.

Corporate Net-Zero Standard V2: das neue Net Zero

Sowohl der ursprüngliche Standard als auch der erste Entwurf des neuen Corporate Net-Zero Standards V2 hatten zuvor einen klaren Fokus darauf, bis 2050 Net Zero zu erreichen. Es war ein ehrgeiziges und eher einschüchterndes Ziel, das sich stark auf das Endergebnis konzentrierte.

Der neue Entwurf hat die Formulierung von „Net Zero Commitment“ zu „Net Zero Ambition“ geändert. Gleichzeitig ermutigt die SBTi Unternehmen dazu, ihre Perspektive zu verändern und Net Zero als „leitenden Nordstern“ zu betrachten – mit weniger Fokus auf die reine Zielerreichung und mehr auf die praktische Umsetzung im täglichen Geschäft.

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SBTi Corporate Net-Zero V2: Fokus auf Handlung und Wirkung

Schon im ersten Entwurf des neuen Standards waren Unternehmen verpflichtet, sich zu Net Zero zu bekennen. Sie mussten kurz- und langfristige Ziele zur absoluten Emissionsreduktion setzen – unabhängig davon, wie realistisch diese in der Praxis waren. Viele Unternehmen haben sich jedoch zu sehr auf das Endziel konzentriert. Sie setzten sehr frühe Net-Zero-Zieldaten und nahmen ihre Zusagen zurück, sobald ihnen klar wurde, dass sie zu viel versprochen hatten.

Unternehmen müssen beim SBTI Corporate Net-Zero Standard V2 weiterhin eine Zustimmung auf Vorstandsebene einholen, welche nun zusätzlich auch der Integration dieser Ambition in die kommerzielle Strategie zustimmen muss. Langfristige Ziele fokussieren sich weiterhin auf Emissionsreduktion. Kurzfristige Ziele beziehen sich jedoch nicht mehr ausschließlich auf Emissionen.

Dem Standard V2 wurde ein Anhang hinzugefügt, der Metriken aufführt, die verfolgt werden können. Fortschritte müssen durch sogenannte „glaubwürdige Maßnahmen“ untermauert werden. Diese Maßnahmen müssen bestimmten Integritätsanforderungen entsprechen und deren Einhaltung nachweisen. Sobald Unternehmen Net Zero erreichen, wird erwartet, dass sie diesen Zustand über das Zieljahr hinaus aufrechterhalten und darüber berichten. Dies wurde von der SBTi zuvor nicht berücksichtigt.

Net-Zero V2: Kein „One Size Fits All“ mehr für Nicht-sektorspezifische Standards

Die SBTi hat eine Vielzahl von Zielansätzen für Scope 1, 2 und 3 eingeführt, um es Unternehmen zu ermöglichen, das zu wählen, was für sie kurzfristig am handhabbarsten ist. Die größte Veränderung zeigt sich in Scope 3, wo Ziele in verschiedene Kategorien aufgeteilt werden können, jeweils mit einer eigenen Liste zulässiger Ansätze.

Viele wertschöpfungskettenbezogene Emissionen können durch Ziele zur Lieferanten oder Kundenangleichung abgedeckt werden, während andere spezifische Ansätze wie Kreislaufwirtschaftsziele haben, die sich auf Emissionen aus der End-of-Life-Behandlung konzentrieren.

Corporate Net-Zero V2: Zusätzliche Anerkennung

Unternehmen können nun auch zusätzliche Anerkennung für Anstrengungen erhalten, die über ihre eigenen Betriebe und Wertschöpfungsketten hinausgehen. Dazu gehört zum Beispiel der Kauf von Carbon Credits aus naturbasierten oder technologischen Entfernungsmaßnahmen. Ebenso zählt die Skalierung von CO₂-armen Technologien dazu. Außerdem kann ein CO₂-Preis eingeführt werden, der als Budget für Investitionen in verschiedene Aktivitäten dient. Solche Aktivitäten umfassen etwa die Unterstützung der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Menschen oder die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich kohlenstoffarmer Technologien.

Ein höherer Standard gilt für Unternehmen, die einen „Leadership Status“ erreichen wollen. Diese müssen 100 Prozent der laufenden Emissionen adressieren und ein CO₂-Budget von mindestens 80 USD pro Tonne CO₂-Äquivalent anwenden. Kategorie B Unternehmen können diesen Status erreichen, indem sie lediglich die Scope 1 und Scope 2 Emissionen adressieren. Darüber hinaus verlangt ein neues Kriterium von allen Unternehmen, ab 2035 Verantwortung für einen bestimmten Prozentsatz ihrer laufenden Emissionen zu übernehmen.

Einflüsse der CSRD

Die SBTi hat viele ihrer Leitlinien mit den neuesten CSRD-Vorgaben abgestimmt. Der Übergangsplan, den der alte Entwurf verlangte, wurde nun präzisiert, um mit dem unter ESRS E1-1 der CSRD geforderten Plan übereinzustimmen. Während dies zuvor eine pauschale Anforderung an alle Unternehmen war, gilt es nun nur noch für Kategorie A Unternehmen, während Kategorie B Unternehmen ermutigt werden, ebenfalls einen Übergangsplan in Betracht zu ziehen.

Es gibt auch Anklänge an die CSRD im „Comply or Explain“-Ansatz, der bei einigen Kriterien angewendet wird. Unternehmen müssen das vorherige Jahr mit umfassenden Daten als Basisjahr verwenden, können jedoch davon abweichen, wenn dieses Jahr nicht repräsentativ für den normalen Geschäftsbetrieb ist, zum Beispiel aufgrund einer Naturkatastrophe. Dies muss jedoch transparent berichtet und begründet werden. Eine Liste der Mindestanforderungen für die Berichterstattung wurde in einen Anhang aufgenommen, und Unternehmen müssen nun auch eine Drittparteienprüfung ihrer Emissionen im Basisjahr einholen.

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